NW-2026-CBA8 · Fachartikel
Batteriepass Pflichten: Welche Daten jetzt fehlen
Der Rat der EU hat den Start der Batterie-Due-Diligence auf 18.08.2027 verschoben. Für Unternehmen bleibt entscheidend, Daten, Rollen und Freigaben jetzt zu ordnen.
Veröffentlicht 27.03.2026
Die Verschiebung auf den 18.08.2027 nimmt Zeitdruck aus dem Kalender. Sie nimmt aber nicht die eigentliche Managementfrage vom Tisch: Welche Batterie- und Lieferantendaten müssen 2026 belastbar im System stehen, damit 2027 keine Freigabelücke für betroffene Produkte entsteht? Genau daran entscheidet sich, ob Einkauf, Compliance, IT und Rechtsabteilung später einen belastbaren Prozess haben oder unter Zeitdruck nur noch Daten zusammensammeln.
Kurzfassung
Der Rat der EU hat den Startpunkt für die Batterie-Due-Diligence auf den 18.08.2027 verschoben. Das verschafft Zeit, aber keine Entwarnung. Die EU-Batterieverordnung bleibt der operative Rahmen für digitalen Batteriepass, QR-Code, Nachweise, Verifikation und Berichtspflichten.
Für Industrieunternehmen liegt das Risiko nicht im Gesetzestext, sondern im Datenfluss. Typische Lücken sitzen heute an vier Stellen:
- Lieferanten liefern Daten spät, unvollständig oder in nicht vergleichbaren Formaten.
- Produktdaten liegen verteilt in ERP, PLM, Qualitätssystem, E-Mail und Einzeldateien.
- Niemand ordnet Nachweise sauber einer konkreten SKU, Charge oder Produktvariante zu.
- Einkauf, Compliance, IT und Rechtsabteilung setzen keine klare Freigabelogik.
Wer bis 2027 wartet, legt Scope, Lieferanten-Einbindung, Datenprüfung und interne Freigabe in ein einziges Freigabefenster. Das ist der teuerste Weg.
Was ab wann gilt
Die Verordnung (EU) 2023/1542 gilt bereits als Rechtsrahmen. Sie verankert den digitalen Batteriepass, den QR-Code und weitere Produkt- und Nachhaltigkeitsdaten für die erfassten Batteriekategorien. Laut Rat der EU beginnt die verschobene Batterie-Due-Diligence am 18.08.2027. Die EU-Kommission ordnet die Änderung im Omnibus-IV-Kontext als Vereinfachung ein, nicht als Streichung der Pflichten.
Für die Praxis heißt das: Sie müssen nicht jede spätere Auslegung vorwegnehmen. Sie müssen aber jetzt die Datenarchitektur, Zuständigkeiten und Beleglogik so festziehen, dass Sie 2027 nicht erst mit dem Sammeln anfangen.
Wo die Freigabe heute schon kippen kann
Der Aufwand entsteht selten beim ersten Lesen der Verordnung. Er entsteht dort, wo aus Rechtsanforderungen ein belastbarer Freigabeprozess werden soll. Dann reicht es nicht, einzelne Dokumente zu sammeln. Dann muss klar sein, welche Daten zu welcher Batterievariante gehören, wer sie prüft und wer trotz Lücke noch freigeben darf.
Sie brauchen mindestens vier Datenebenen:
- Produktidentität: Batteriekategorie, Modell, SKU, Variantenlogik, verantwortlicher Wirtschaftsakteur, Verknüpfung zum QR-Code.
- Technische und Konformitätsdaten: Erklärungen, Prüf- und Leistungsnachweise, Versionsstand und Gültigkeit je Produktversion.
- Lieferketten- und Due-Diligence-Daten: Herkunfts- und Lieferantennachweise, Verifikationsunterlagen, Abweichungen, Korrekturmaßnahmen.
- Freigabe- und Nachweisführung: Wer hat geprüft, wer hat freigegeben, welche Unterlage lag vor, welche Version gilt für welche SKU.
Genau hier reißen Prozesse. Lieferanten schicken PDF, Excel und Portalauszüge. Werke benennen dieselbe Zelle oder denselben Lieferanten unterschiedlich. Das Team bereinigt Daten manuell. Danach fehlt oft die Verknüpfung zur konkreten Produktvariante im ERP oder PLM. Dann kann die Rechtsabteilung nicht belastbar freigeben, obwohl nominell schon Unterlagen vorliegen.
Welche Reihenfolge in der Praxis trägt
Ein belastbarer Ablauf folgt meist einer klaren Reihenfolge. Erst wenn diese Reihenfolge steht, lohnt sich der Rollout auf weitere Werke oder Produktfamilien:
- Scope festlegen. Sie definieren betroffene Batterien, Produktlinien, Gesellschaften, Werke und prioritäre SKUs.
- Lieferanten einbinden. Einkauf fordert strukturierte Daten und Belege an, setzt Fristen und benennt Eskalationsstufen.
- Daten zuordnen. Das Team ordnet Lieferantendaten Artikel, Stücklisten, Chargen oder Modellständen im ERP und PLM zu.
- Plausibilität prüfen. Qualität, Compliance und Fachbereich prüfen Lücken, Dubletten, Einheiten, Versionsstände und Widersprüche.
- Nachweise verifizieren. Sie bündeln die Belegkette, dokumentieren Abweichungen und halten fest, was zur Freigabe noch fehlt.
- Intern freigeben. Die Compliance-Funktion entscheidet nicht allein. Einkauf bestätigt den Lieferantenstatus, IT die Systemabbildung, die Rechtsabteilung die Freigaberegeln.
- Ausgeben und archivieren. Sie verknüpfen QR-Code, Batteriepass, Nachweise und Berichtsdaten mit einer revisionsfähigen Ablage.
Wenn keine eigene Compliance-Funktion existiert, muss der Einkauf die Datensammlung führen. Die Rechtsabteilung muss dann die Freigabegrenzen und Eskalationsfälle schriftlich festlegen.
Welche Risiken zuerst sichtbar werden
Prüfen Sie diese Punkte früh:
- Fehlen Ihnen für priorisierte SKUs eindeutige Produkt-IDs über Werk und Gesellschaft hinweg?
- Kommen Lieferantendaten nur als Dokument, aber nicht als strukturierter Datensatz?
- Ordnen Sie Belege nur dem Lieferanten zu, aber nicht der konkreten Batterievariante?
- Fehlt ein Verantwortlicher für manuelle Bereinigung und Rückfragen an Vorlieferanten?
- Können Sie alte und neue Versionen eines Nachweises nicht sauber trennen?
- Gibt es keine klare Regel, wann trotz Lücke gesperrt oder freigegeben wird?
Der Freigabedruck ähnelt dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM): Wenn Daten und Verantwortlichkeiten nicht stehen, blockiert am Ende nicht die Analyse, sondern die operative Autorisierung. Ein ähnliches Muster beschreibt auch der Beitrag CBAM 2026: Autorisierung jetzt oder Importstopp riskieren.
Welche Rollen jetzt führen müssen
Die Compliance-Funktion muss führen, weil Lieferantendaten, Verifikation und interne Freigaben sonst zwischen Einkauf, IT und Rechtsabteilung hängen bleiben. Der Engpass liegt nicht nur bei einzelnen Datenfeldern, sondern bei der Frage, wer im Zweifel die Freigabe stoppt.
Betroffen sind daneben der Einkauf für Lieferantenrückläufe, IT für die Zuordnung in ERP und PLM, Qualität für die Plausibilisierung sowie Produktverantwortliche für die SKU-Logik. Der CFO muss die Freigaberegel kennen, weil verspätete Daten schnell in Umsatzrisiken und Zusatzaufwand kippen.
Was die Komplexität treibt
Die Komplexität steigt mit Produktvarianten, Werksunterschieden, mehreren ERP-Mandanten und tiefen Vorlieferketten. Die Datenfrage ähnelt stark anderen Regulierungen, bei denen Rückverfolgbarkeit und belastbare Systemlogik wichtiger sind als schöne Übersichten. Für die Architekturentscheidung ist auch CSRD-Omnibus: Welche Datenarchitektur jetzt noch Sinn ergibt relevant. Für die Priorisierung tiefer Rohstoffströme hilft EUDR-Rückverfolgbarkeit: Welche Rohstoffströme zuerst?.
Welche Annahmen dafür gelten
Diese Einschätzung setzt vier Annahmen voraus:
- Das Unternehmen bringt betroffene Batterien oder batteriehaltige Produkte selbst in Verkehr.
- Lieferantendaten liegen heute verteilt in ERP, PLM, E-Mail und Einzeldokumenten.
- Mindestens ein Teil der Vorlieferanten liefert Daten nicht im ersten Rücklauf vollständig.
- Das Unternehmen startet mit einem Pilot auf wenige SKUs statt mit einer flächendeckenden Einführung über alle Werke.
Welche Zeitlogik realistisch ist
Trennen Sie strikt zwischen Scope, Pilot und Einführung. Wer diese drei Stufen vermischt, baut Datenerhebung, Systementscheidung und Freigaberegel gleichzeitig. Genau das macht den späten Rollout teuer.
Für einen ersten Scope mit einem Werk, wenigen Produktlinien und klaren Verantwortlichen brauchen Teams meist 2 bis 4 Wochen. Ein Pilot mit 3 bis 5 priorisierten Lieferanten und 5 bis 20 SKUs braucht oft weitere 6 bis 10 Wochen. Eine belastbare Einführung über mehrere Werke, Produktfamilien und Systemgrenzen dauert eher 3 bis 6 Monate.
Vor einer robusten Freigabe müssen drei Dinge stehen: das Datenmodell, die Verantwortlichen je Datenfeld und die Eskalationsregel bei Lücken. Offen bleiben darf zu diesem Zeitpunkt noch die Ausweitung auf weitere SKUs oder Werke. Offen bleiben darf nicht die Frage, welches System führend ist und wer im Zweifel sperrt.
Was in den ersten 30 Tagen stehen muss
- Listen Sie alle betroffenen Batterien, SKUs und Gesellschaften in einem Scope-Register.
- Benennen Sie pro Datenfeld einen Verantwortlichen aus Einkauf, Compliance, IT oder Qualität.
- Ziehen Sie aus ERP, PLM und Dateiablagen eine erste Dateninventur mit Quellnachweis.
- Wählen Sie 3 bis 5 priorisierte Lieferanten für einen strukturierten Pilot aus.
- Definieren Sie eine Freigabematrix mit der Rechtsabteilung: frei, frei mit Auflage, gesperrt.
Damit schaffen Sie in 30 Tagen noch keinen Vollrollout. Sie schaffen aber die Grundlage, auf der ein Pilot aussagekräftig wird und eine spätere Freigabe nicht an ungeklärten Zuständigkeiten scheitert.
Jetzt Scope und Pilot festziehen
Legen Sie in den nächsten zwei Wochen den Scope für betroffene Batterien, Datenfelder, Verantwortliche und Pilotlieferanten fest. Auf der Vorgehensseite sehen Sie, wie wir Dateninventur, Gap-Analyse und Pilotstruktur aufsetzen. Wenn Sie dafür fachliche Priorisierung brauchen, finden Sie den passenden Rahmen auf der Leistungsseite.
Quellen
- Council of the EU — Simplification: Council adopts law to ‘stop-the-clock’ on due diligence rules for batteries, 2025-07-18
- EUR-Lex — Regulation (EU) 2023/1542 on batteries and waste batteries, 2023-07-28
- European Commission — Simplification measures to save EU businesses €400 million annually, 2025-05-21
SC-06.01 · Erstgespräch

Gesprächspartner
Lars Schellhas van Kisfeld
Titel
M.Sc. RWTH Aachen
Rolle
Geschäftsführer, Schellhas Consulting
Fokus
Investitions-, Effizienz- und Technologiepfade für produzierende Unternehmen
Was steht wirklich zur Entscheidung? 30 Minuten, um das herauszufinden.
Das Ergebnis: ein schriftlicher Decision Check mit der eigentlichen Freigabefrage, den relevanten Tragfähigkeits- und Kipppunktdimensionen und einem konkreten nächsten Schritt. Ohne Projektauftrag.
Format
30 Minuten
Ziel
Freigabefrage eingrenzen
Ergebnis
Decision Check
Im ersten Gespräch hören wir zu, was gerade auf die Marge drückt oder welche Option sich auftut. Danach ist klar, welche Investition, welcher Effizienzhebel oder welcher Technologiepfad zuerst auf den Tisch muss — und Schellhas Consulting schickt Ihnen einen schriftlichen Decision Check.
- Welche Investition, Effizienzoption oder Technologiefrage liegt konkret auf dem Tisch?
- Was macht die Entscheidung schwierig — Kostenvolatilität, Technologierisiko oder regulatorisches Timing?
- Was wäre ein nützliches Ergebnis externer Unterstützung?